Interview mit Niedermaier

Veröffentlicht auf von Dusi

Ein relativ anständiges Interview mit Stefan Niedermayer heute in der berner Blickausgabe zu den Ausschreitungen von letztem Donnerstag:

Stefan Niedermaier, YB hat fürs Uefa-Cup-Spiel gegen Brügge Tickets an bekannte belgische Hooligans verkauft. Wie konnte das passieren?

Stefan Niedermaier: Der FC Brügge wollte den Ticketverkauf fürs Uefa-Cup-Spiel in Bern an seine Fans selber organisieren, damit er eine bessere Kontrolle hat. Wir haben eingewilligt und Tickets nach Belgien geschickt. Am Morgen des Spieltags hat uns der FC Brügge dann informiert, dass trotzdem 20 bis 30 einschlägig bekannte Hooligans nach Bern gereist seien. Die Verantwortlichen aus Belgien stemmten sich dagegen, diese Randalierer in ihrem Sektor aufzunehmen. Leider gingen wir auf die Forderung ein und beschlossen, diese Problemfans im Sektor C1 unterzubringen. Das war ein krasser Fehler, den wir bedauern. 


Wie hätten Sie diesen Fehler verhindern können?

Wir hätten durchsetzen sollen, dass die belgischen Hooligans in den Gästesektor müssen. Das wäre der einzig richtige Entscheid gewesen. Doch der FC Brügge hat sich quergestellt und jegliche Verantwortung abgewiesen. Leider haben wir uns dem Druck gebeugt, und Brügge hat uns mit ihrem Problem alleine gelassen.

Ob Gästesektor oder nicht: Was haben Hooligans mit Stadionverbot überhaupt im Stadion zu suchen?

Wir hatten keine gute Alternative: Wenn man solchen Leuten kein Ticket gibt, randalieren sie in der Stadt, oder sie nehmen die Vorverkaufsstelle komplett auseinander. Ausserdem hätten sich diese Randalierer Tickets auf Umwegen beschafft.

Es ist kaum besser, die Randalierer neben Familien zu setzen.

Nochmals: Es war ein grober Fehler. Wir hatten grosses Glück, ist nicht mehr passiert. Wir entschuldigen uns in aller Form bei unseren Zuschauern und versichern ihnen, so etwas wird nie mehr vorkommen.

Waren Sie in diesen Entscheid involviert?

Nein. Aber ich übernehme die Verantwortung für meine Crew.

Weshalb blieb der B-Sektor geschlossen? Von dort hätten die belgischen Hooligans nicht ungehindert durch den Familiensektor zur YB-Fankurve spazieren können.

Wir konnten in der kurzen Zeitspanne nicht genügend Sicherheitspersonal aufbieten, um den B-Sektor abzusichern.

Sie wurden zehn Stunden vor Spielbeginn über die belgischen Hooligans informiert. Ist das eine kurze Zeitspanne?

Mit grosser Anstrengung wäre es wahrscheinlich möglich gewesen. Doch der B-Sektor grenzt an die Haupttribüne mit der Champions Lounge, wo an diesen Abend der Schweizerische Bankiertag stattfand. Viele prominente Gäste aus Politik und Wirtschaft waren da. Dieser Anlass wurde vor drei Jahren gebucht. Wir haben versucht, das Spiel deswegen zu verschieben. Auch daraus ziehen wir unsere Lehren: Im Stade de Suisse wird nie mehr ein Wirtschaftsanlass zeitgleich mit einem brisanten Fussballspiel stattfinden, solange ich das Sagen habe.

War dieser Anlass auch der Grund, weshalb so wenig Sicherheitspersonal in den anderen Sektoren zugegen war?

Diesen Vorwurf weise ich vehement zurück. Unser Sicherheitsdienst war zur Stelle und hat gut auf die Vorfälle reagiert. Diese Ansicht teilt übrigens auch der Uefa-Delegierte. In seinem Protokoll beschreibt er das Verhalten der Protectas als «very good» (Niedermaier zeigt das Protokoll).

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus den Randalen?

Wir haben bereits einen Massnahmenplan erarbeitet. Der Informationsaustausch muss verbessert und die internen Entscheidungswege müssen optimiert werden. Zudem werden wir uns vor internationalen Spielen künftig frühzeitig beim Gegner über potenzielle Risikofans informieren. Es soll nicht mehr vorkommen, dass wir erst am Spieltag über anreisende Hooligans informiert werden. Ein weiterer Punkt ist die Zusammenarbeit mit der Polizei. Ein Treffen mit dem Polizeikommando ist bereits organisiert. Wir analysieren die Vorfälle genau.

Apropos Polizei: Wie ist es möglich, dass die gleichen Chaoten, die bereits im Stadion wüteten, 90 Minuten später ungehindert auf den Wankdorf-Quartierplatz gelangten, dort YB-Fans angriffen und das Restaurant Walter demolierten?

Zur Polizeitaktik will ich mich nicht äussern.

Hat die Polizei versagt?

Auch dazu sage ich nichts.

Wie verhält sich YB gegenüber den drei verletzten Fans und dem Restaurant Walter?

Die verletzten Fans erhalten ein von der Mannschaft signiertes YB-Trikot. Wohl auch der Wirt des Restaurants Walter. Für seinen Sachschaden tragen wir zwar keine Verantwortung. Doch wir wollen ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis mit ihm.

Was sagen Sie zu allen anderen verärgerten Zuschauern?

Wir sind froh, wie vorbildlich und ruhig sie sich verhalten haben. Wir sind stolz auf unsere Zuschauer. Ich verstehe, dass sich die direkt Angegriffenen gewehrt haben. Wir werden in Zukunft noch mehr Geld und Energie in ihre Sicherheit investieren. 
Werbung

Veröffentlicht in News

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post